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Heute Morgen beginnt alles wie immer. Ich liege, gemütlich und
warm, in meiner Kissenkuhle und schlafe. Zuerst geht es mit dem
Gepiepse los, dann höre ich Schritte über meinem Kopf, dann
Gepolter auf der Treppe (so ein Krach morgens!) und mein altes
Frauchen betritt die Küche.
Ich habe zwei Frauchen, ein altes und ein junges. Das junge
Frauchen mag ich am liebsten. Es riecht wie das alte, nur noch
besser – und kann auch besser rennen. Ich habe auch noch zwei
Herrchen, ebenfalls ein altes und ein junges. Das alte Herrchen
ist ein ganz Lieber, das junge Herrchen ist ziemlich streng Als
ich ganz klein war, hatte ich nur ihn und wir sind gute Freunde
geworden. Dann habe ich noch ein Reserveherrchen, aber das ist
selten zu Hause.
Das alte Frauchen ist insgesamt für mich als auch für die
anderen der wichtigste Mensch, weil sie uns allen das Fressen
zuteilt.
Morgens hat auch mein altes Frauchen ziemlich viel Power. In der
Küche geht es gleich los mit Kaffeekochen, Frühstück und
Butterbrote für die Herrchen werden gemacht.
Am Anfang als ich noch klein war, bin ich jeden Morgen sofort
hingelaufen und habe sie begrüßt und wir sind sofort
rausgegangen. Das war auch echt dringend, wenn mir das Pipi bis
zu den Ohren stand. Aber ich hab’ (fast Anmerkung der
Redaktion) noch nie ins Haus gemacht. Das gehört sich doch
nicht. Einmal hatte ich Bauchschmerzen und ganz dünne Schitte;
die wollte dann nachts raus und lag im Wohnzimmer. Wie
peinlich!! Ich hab’ morgens so getan, als wär’ das nicht von mir
und einfach nicht hingeguckt. Das lief gut, denn keiner hat mit
mir geschimpft.
Heute ist das anders. Heute bin ich morgens ziemlich müde, weil
ich die ganze Nacht auf alle aufpassen musste. Jeden Morgen wird
die Zeitung durch den Schlitz geschoben. Diese Störung nehme ich
klaglos und still hin. Aber einmal in der Woche wird eine noch
dickere Zeitung nachgeschoben. Heute Morgen bin ich sofort nach
oben gelaufen und habe meinen Menschen mitgeteilt, dass auch die
dicke Zeitung da ist (wo sie doch alle so gern Zeitung lesen!),
aber die wollten das gar nicht wissen und ich habe mich
schnellstens wieder in meine Kuhle verdrückt.
Bei diesem Geklapper in der Küche bleibe ich da auch erstmal.
Dann verschwindet mein Frauchen mit Zeitung und Kaffee. Als ich
neu hier war, dachte ich, sie sei weg und habe mich vergessen
und bin sofort suchen gegangen – aber sie ist dann immer in dem
Raum, in den ich nicht reindarf. Dort stellen sich die Menschen
freiwillig in den Regen um besser zu riechen.
Ich kann Regen nicht leiden.
Anschließend liest sie auf der Couch weiter. Ich mach’ die Augen
zu und die Ohren auf. Kleines Rascheln bedeutet Umblättern (muss
ich nicht beachten), beim großen Rascheln wird etwas
zusammengepackt. Steht sie auf? Ich öffne ein
Auge….jawohl…gleich geht es los…sie ist im Flur… löst die
Klettverschlüsse ihrer Hausschuhe…Achtung!...Rauschen der
Jacke…Fertig! ….Schlüssel klappert…Los! Ich springe auf und
guck’ mal wie weit sie ist. Wie oft sie dann manchmal noch hin
und her rennt!
Ich bin praktisch immer bereit…noch ein bisschen dehnen und
recken, gähnen mit Zungenstretching, röhren (das ist so ein
tiefes Grollen von weit unten mit ganz langem Hals)… endlich
geht die Tür auf und die kalte Luft kommt rein. Frauchen geht
zuerst raus um zu gucken, ob die Luft rein ist. Ich muss so
lange drin bleiben, bis sie mich ruft. Losstürzen darf ich dann
aber immer noch nicht, sondern muss manierlich die Treppe
runtergehen. Sonst wird sie sauer! Sie ist hier nämlich mal
hingefallen, angeblich weil ich ihr mit der Leine zwischen die
Beine gesprungen sei! Nächster Stopp ist gleich an der Straße.
„Sitz!“ Wenn ich nicht Sitz mach’, gehen wir nicht über die
Straße und ich erreich’ meine Strecke nie! Um das Ganze ein
bisschen abzukürzen, setz’ ich mich gleich ohne Aufforderung
(sie ist dann ganz stolz auf mich, was ich doch für ein
gelehriges Kerlchen bin!) und hui sind wir auf der anderen
Straßenseite.
Meistens bin ich der letzte – alle anderen waren vor mir hier –
kein Wunder, „wir“ müssen ja Zeitung lesen!
Am ersten Gartentor darf ich kein Pipi machen- warum, weiß ich
auch nicht! Danach gibt es keine Tore mehr! Ich muss Bäume,
Sträucher, Grasbüschel usw. absuchen, um meine Markierungen zu
hinterlassen. Dann muss ich noch einen guten Platz für meinen
Stinker finden. Auch nicht so einfach! Also, rein in den
Waldweg! Sobald ich den Haufen gemacht habe, kehren wir um. Also
mach’ ich ihn nicht gleich am Anfang. Reine Nervensache…
manchmal gibt Frauchen auf und kehrt um, dann tue ich ihr den
Gefallen kurz vor Ende des Weges. Dann freut sie sich! Ich freu’
mich auch, scharre, springe und hopse um sie herum. Manchmal
treffen wir die Frida mit ihrem Herrchen. Sie riecht gut! Wir
zwei rangeln dann ein bisschen miteinander. Schon früh morgens
drehen sie mit dem Fahrrad eine Runde durch den Wald. Damit
Herrchen nicht vor einen Baum fährt, hat sein Fahrrad einen
Scheinwerfer wie ein LKW. Frida ist immer an der Leine. Sobald
sie frei ist, läuft sie weg. Cool!
Zu Hause gibt’s Futter! Endlich!
Jetzt liegt Herrchen auf der Couch und liest Zeitung!
Frauchen fängt an hin und her zu laufen und Sachen hin und her
zu tragen und anders im Haus zu verteilen. Sie nennt das
Aufräumen! Ich folge ihr überall hin - muss sie aber einmal kurz
allein lassen, denn die Herrchen verlassen das Haus. Damit ich
nichts verpasse, liege ich auf der sog. Schmutzfangmatte (Bin
ich etwa schmutzig!?) vor der Haustür und schaue ihnen bei den
Vorbereitungen zu. Sie ziehen sich Extra-Pfoten an, dann ein
Extra-Fell! So ein Aufwand, wir Hunde haben es da besser! Aber
ihre Beute-Beutel sind richtig praktisch! Ich werde am besten
noch mal kurz die Butterbrote kontrollieren….aber dann werde ich
verscheucht, weil ich angeblich im Weg sei!
Frauchen ist in dem Raum, in den ich nicht reindarf und
plätschert mit Wasser. Sie holt den Putzeimer mit Schaum
(schmeckt nicht!). Jetzt wird’s ungemütlich. Zuerst vergreift
sie sich an meinem Kissen. Ich schmeiss’ mich drauf um das
Schlimmste zu verhindern. Womöglich eine neue Decke? Es kostet
mich Tage bis es dann wieder gemütlich riecht. Jetzt werden
meine Spielsachen in die Kiste geräumt. Ich stürze vor und rette
meinen Freund (Stoffhund Anm. d. Red.). Manchmal wäscht
sie den nämlich auch.
Zusammen werden wir auf dem Kissen durchs Wohnzimmer gezogen.
Dann wird gewischt…gezogen….gewischt…gezogen… Ich halte meinen
Freund ganz fest! Dazu läuft laute Musik. Frauchen sagt, ohne
könne sie „Haushalt“ nicht aushalten. Jetzt schreit gerade ein
Typ namens Tom Jones. Den Wischer mit dem ollen Lappen kann ich
nicht leiden! Der stinkt! Schlimmer ist nur noch der
Staubsauger. Vor dem müssen sich mittelgroße Hunde wie ich sehr
in acht nehmen. Der frisst alles! Sogar meinen Freund hat er
versucht aufzufressen. Der war vor Angst ganz starr, mein
Frauchen hat ihn dann befreit. Toll!
Frauchen scheint keine Lust mehr zu haben. Wir gehen in den
Keller und tragen auch hier Sachen hin und her. Hier bin ich
gern. Erstens gibt es hier immer wieder Ecken, die ich noch
nicht kenne und zweitens steht hier meine Kiste, auf der ich
schön gemacht werde. Striegeln ist angenehm, Bartkämmen ziept,
an den Pfoten, besonders hinten, bin ich kitzelig, aber zum
Schluss gibt es Leckerli aus dem Glas, das gleich neben der
Kiste steht. Ich kann es die ganze Zeit im Auge behalten, dass
es nicht wegläuft oder sonst wie verschwindet. Einmal in der
Woche werden mir die Ohren saubergemacht. Am liebsten würde ich
gar nicht hingehen, wenn sie mich mit der Flasche in der Hand
ruft. In beide Ohren krieg ich was rein. Das ist furchtbar
kitzelig, aber ich darf nicht schlackern. Synchron werden mir
dann beide Ohren massiert. Das ist furchtbar schön- ich halt
ganz still damit es nicht aufhört.
Aber jetzt geht es endlich raus! Nach der üblichen Prozedur
sind wir auf der anderen Straßenseite und die große Waldtour
kann beginnen. Zwischendurch üben wir immer wieder an lockerer
Leine laufen und Fuß (kann ich doch schon alles - tu’ ich bloß
nicht immer), aber die meiste Zeit darf ich einfach so
losrennen.
Das ist toll – einfach nur der Nase zu folgen. Zu Anfang dreh’
ich voll auf und renn’ gleich erstmal richtig los- dass die
Ohren nur so fliegen. Am liebsten sprinte ich durch welkes Laub,
in den Kurven stiebt es in alle Richtungen, springe wie ein
Hirsch über Äste und Stämme – voll auf Geschwindigkeit. Dabei
muss ich immer Frauchen im Auge behalten, damit ich sie nicht
verliere. Das ist nämlich schon vorgekommen. Plötzlich war sie
weg. Glücklicherweise habe ich sie dann hinter einem Baum
wiedergefunden.
Dann finde ich natürlich alles Mögliche, was gut riecht. Ich
darf alles untersuchen, nur nichts fressen. Das fällt manchmal
ganz schön schwer, aber wenn Frauchen „Nein“ sagt, darf ich
nicht. Aber sie guckt ja nicht immer. Als ich vor kurzem dachte,
dass sie nicht hinsieht und gerade dabei war etwas wirklich
köstliches zu verschlingen, hat sie mich von hinten dermaßen
angeraunzt, dass ich fast einen Herzschlag bekommen hätte und
vor Schreck alles fallen ließ. Wir üben das ja auch und da mach’
ich immer alles richtig. Frauchen verteilt Leckerli im Wald und
fremde Leute halten mir Leckerli entgegen. Ich darf das nur
fressen, wenn Frauchen mit „Bitte“ ihr OK gibt. Manchmal lassen
wir es auch liegen und gehen einfach weiter! Es ist nicht zu
fassen! Ich muss aufpassen; die Frau hat ihre Augen überall.
So ist manchmal auch ein ganz besonderer Duft im Wind. Ich mache
mich dann ganz groß, stelle mich auf die Pfotenspitzen und halte
die Nase hin. Ich würd’ ja gern mal nachsehen, woher der kommt,
aber Frauchen sagt „nein“, ich solle das vergessen. Am liebsten
plätscher’ ich auch durch die Bäche. Manche haben glasklares
Wasser, das trinke ich gern. Manche haben braunes brackiges
Wasser, da muss ich aber immer sofort raus. Bach- und
Pfützenwasser schmecken sowieso am besten. Nicht so chemisch wie
mein Wasser zu Hause im Napf. Ich habe im Wald meine geheime
Trinkstelle. An der Stelle, wo wir regelmäßig Ballspielen ist
ein Baum mit einer Kuhle an der Wurzel. Diese Kuhle ist nach
jedem Regen immer voll mit frischem Wasser. Manchmal habe ich
allerdings auch Pech und stehe mit vier Beinen im Schlamm. Jetzt
ist das nicht so schlimm: das trocknet und fällt beim Laufen ab.
Aber im Sommer kann es schon schön stinken. Find’ ich nicht,
meine Menschen sagen das. Als ich einmal mit meiner Freundin
Luna unterwegs war, sind wir in so eine Kloake, wie Frauchen
sagt, geraten. Noch heute wird Frauchen ganz unruhig, wenn wir
uns diesem Wasserloch nähern. Luna war damals noch größer als
ich und hatte nur schlammige Beine- ich stand bis zum halben
Bauch drin. Ich wurde 3 x in der Badewanne im Keller
eingeschäumt bis meine Menschen fanden, dass ich wieder
akzeptabel röche. Anschließend war ich fix und fertig mit der
Welt.
Meine Freunde sind auch im Wald unterwegs. Da ist zum Beispiel
Anton, ein Golden Retriever. Der tut genauso wie ich, alles was
sein Frauchen sagt, solange er mich nicht sieht. Aber dann geht
die Post ab! Wir haben immer noch nicht bis zum Ende
ausgetestet, wer am besten rennen und rempeln kann. Dann ist da
Pauli, ein ganz netter Kumpel. Oder Baltus, der ist leider
meistens hinter seinem Zaun, aber gelegentlich ist das Tor nicht
richtig zu, ich kann das vorn’ aufstoßen und dann laufen wir
zusammen. Wenn wir Diego treffen, werden wir beide
vorsichtshalber angeleint. Ich würde doch nicht mit Diego
weglaufen, jedenfalls nicht sehr weit! Diese Kumpel sind alle
ungefähr so alt wie ich und wir haben toll Spaß miteinander.
Dann kenn’ und mag ich natürlich die niedliche Dackeldame
Pauline, die manchmal zum Verlieben gut riecht. Auch Bonny ist
eine Dackeldame. Die hat schwer was auf dem Kasten, besteht alle
Prüfungen. Wie kann man nur so klein sein und doch so schlau!
Meine großen Vorbilder sind Sammy und Odin.
Sammy ist 6 Jahre alt und aus dem Süden. Er macht sehr
selbständig allein Ausflüge in den Wald. Ein sehr lieber
freundlicher Kerl, sehr intelligent. Aber Prüfungen macht der
bestimmt keine. Sein Frauchen sitzt oft allein auf einer Bank im
Wald und wartet auf ihn. Das kann Stunden dauern. Gelegentlich
kommt er dann vorbei. Er hat sich schon richtig ernsthaft mit
mir unterhalten. Ich durfte schon mal mit ihm laufen, das war
spannend. Aber als mein Frauchen dann pfiff, hat er mich
zurückgeschickt.
Dann ist da Odin. Odin ist ausgebildeter Wach- und Schutzhund.
So heißt das, glaub’ ich und er hat auch schon eine Menge
Prüfungen bestanden. Zur Jagd geht er auch. Er zieht sehr weite
Kreise um sein Frauchen, gehorcht aber aufs Wort. Aber ich
glaube, ich bin ihm gleichgültig. Er guckt immer so ein bisschen
auf mich runter, obwohl ich ihn bewundere. Ich fühle mich dann
so dumm und unbedeutend. Sammy ist mir sympathischer!
Damit ich auch gutes Hundebenehmen lerne und die Menschen
lernen, mich besser zu verstehen, gehen wir alle zusammen in die
Hundeschule. Da spielen wir zusammen, aber dann wird auch
gearbeitet. Da muss ich mich konzentrieren und zeigen was ich
kann.
Wenn wir im Wald unterwegs sind, darf ich nicht zu Hunden
rennen, die ich nicht kenne oder die an der Leine sind. Frauchen
ruft mich zurück, ich muss ihr OK abwarten und darf dann zu den
anderen gehen - oder auch nicht. Meistens halte ich mich an
diese Reihenfolge, aber wenn wir eine Hündin treffen, kann ich
gar nicht so lange widerstehen. Sie zieht meine Nase an wie ein
Magnet, und ich krieg’ sie da aus eigener Kraft nicht mehr weg.
Ich bin ganz benebelt - auch meine Ohren funktionieren nicht
mehr. Frauchen muss mich nachdrücklich abführen – ich kann da
nichts zu! Außerdem habe ich inzwischen eine neue Taktik
entwickelt, die ich mehr und mehr anwende und die nach meiner
Meinung sehr gut funktioniert, wenn ich Hunde treffe, die ich
nicht kenne. Sobald ich einen sehe, lege ich mich flach hin und
warte bis der Kollege auf mich zuläuft. Dann springe ich auf.
Frauchen findet die Taktik nicht gut, aber ich!
Manchmal bring’ ich Beute mit nach Hause. Stöckchen, die sich
gut beißen lassen und gut riechen. Das ist gar nicht so einfach,
da ich mich selten mit Kleinkram abgebe. Sie sind manchmal so
groß, dass ich den Kopf ganz hoch tragen muss und nur kleine
Schritte machen kann. (Besonders, wenn die Stöcke wie ein
Dauerlutscher getragen werden, anstatt sie quer ins Maul zu
nehmen, Anm. d. Red.) Leider darf ich meine Beute nicht
auf mein Kissen nehmen. Ich muss sie im Vorgarten aufbewahren.
Nach einer Waldtour muss ich erstmal ein Nickerchen machen.
Vorher wird mir der Bart gewaschen. Ich hätte damit in
Hundepisse gehangen- so ein Blödsinn! Darin sind wichtige
Informationen gespeichert! Aber auch das geht vorbei. Zuerst
steh’ ich meinen Leuten ein bisschen unter den Füßen, den
manchmal gibt es ein Leckerli zum Nachhausekommen.
Wahrscheinlich weil ich so brav war. Am bravsten bin ich
übrigens, wenn mein Frauchen Fleischwurst einpackt. Aber das
gibt es ganz ganz ganz selten. Heute gibt es kein Leckerli.
Mist! Ich geh’ schlafen.
Die Herrchen kommen nach Hause. Frauchen hat Fressen verteilt.
Sie nennen das Mittagessen. Obwohl ich mich vorbildlich
benehme, d. h. die Küche nicht betrete, brav in der Küchentür
liege und lieb gucke, krieg’ ich mal wieder nichts. Mist!
Es regnet ohne Unterlass. Ich mag nicht, wenn mir das Wasser so
auf den Kopf fällt. Frauchen will ausgerechnet jetzt Gassi
gehen. Sie meint, ich muss. Ich muss nicht. Sie meint doch.
Woher will sie das wissen? Sie soll bloß nicht denken, dass ich
mich bei dem Wetter draußen hinsetze. In die Nässe und da wo wir
die Straße überqueren sind sowieso immer so spitze Steine. Heute
setz’ ich mich nicht! Wir machen drei Anläufe, dann beschließt
sie, wieder reinzugehen. Endlich! Wir können doch auch drinnen
gemütlich mit dem Ball spielen oder klickern!
Oje, ich ahne was! Frauchen zieht andere Extra-Pfoten und ein
anderes Extra-Fell an. Sie wird doch nicht diesen Satz sagen!
Mein Schwanz sinkt auf halbmast. Soll sie bloß sehen, dass ich
traurig bin! Sie hat ihn gesagt, diesen Satz. „Frodo bleibt hier
und passt auf!“ und weg ist sie. Mist! Aufpassen ist so
langweilig! So hatte ich mir den Nachmittag nicht vorgestellt!
Ich lege mich auf die sog. Schmutzfangmatte und denke an was
Schönes.
Klickern ist ein tolles Spiel. Vor allen Dingen weil es immer
Leckerlis gibt. Frauchen denkt sich was aus und ich muss
rauskriegen was. Z. B. meinen Freund suchen und aufs Kissen
bringen. Jedes Mal, wenn ich in die richtige Richtung laufe,
klickert sie und ich krieg’ ein Leckerli. Manche Aufgaben sind
echt leicht, ich erledige sie in einem Klickerkonzert und kriege
dann ein großes Leckerli, z. B. ein Stückchen Fleischwurst. Die
Betonung liegt hier auf chen. Ich weiß auch nicht, warum sie die
immer so klein schneidet. Manche Aufgaben sind aber auch
wirklich schwer und ich muss lange überlegen. Wenn sie „Falsch“
sagt, muss ich mir was Neues ausdenken. Leider hören wir mit
diesem Spiel auch immer so fix wieder auf. Genauso wie mit dem
Ballspiel. Oder dem Suchspiel.
Jetzt bin ich beim Aufpassen doch fast wieder weggenickert.
Schritte gehen am Haus vorbei, ich höre Stimmen. Nichts
Interessantes. Ich recke und strecke mich. In der Küche könnte
ich eigentlich mal wieder den Fußboden kontrollieren. Auf den
Tisch darf ich nicht gucken. Als ich klein war, hab’ ich mir vom
Rand mal ein Riesenstück Käse geangelt als keiner guckte.
Lecker, aber hinterher war mir schlecht. Jetzt sind sie aber
vorsichtiger, da liegt nichts mehr am Rand. Ich möchte wissen,
woher Frauchen weiß, dass ich mal nachts die Vorderpfoten auf
dem Tisch hatte, um mir da einen besseren Überblick zu
verschaffen. Sie war doch gar nicht dabei! (Es waren rote Flusen
von Deiner Decke auf der Tischdecke. Wie sind die denn da wohl
hingekommen, he? Anm. d. Red.)
Heute ist auch wirklich nichts los. Vielleicht sollte ich mal
probeweise ein bisschen knurren und bellen. Das kann ich gut.
Ich bin ziemlich laut. Wenn fremde Leute kommen und bei uns
reinwollen, bell’ ich ganz laut. Nachts musste ich auch schon
mal bellen. Da bin ich besonders laut, denn ehrlich gesagt, war
mir schon ein wenig unheimlich und ich wollte, dass meine Leute
ganz schnell kommen. Sie waren auch ganz fix da und haben mich
gelobt für das gute Aufpassen. Eine
kleine Belohnung, z. B. Fleischwurst, wär’ auch ganz nett
gewesen. Grml, grml.
Herrchen ist wieder da. Fürs gute Aufpassen krieg’ ich
einen Knabberstock zur Belohnung. Damit hab’ ich erstmal zu tun.
Erst werf’ ich ihn in die Luft und spiel’ ein bisschen damit.
Und dann fress’ ich ihn auf!
Jetzt müsste ich aber doch mal langsam gucken gehen, ob auf
meiner Strecke alles in Ordnung ist… Meine Markierungen sind
bestimmt alle weggeregnet und müssen nachgebessert werden. Ich
stups’ Herrchen mal ein bisschen an und
piepse.
Und schon sind wir unterwegs. Prozedur an der Haustür,
Prozedur an der Straße. Kaum einer durchgekommen, ich markiere
ordentlich nach, setze einen Stinker und dann will ich wieder
nach Hause.
Es gibt nämlich Fressen. Diesmal nur für mich. Im Napf. Wenn es
draußen trocken ist, gehen wir mit dem Ball raus und mein
Abendessen muss ich mir verdienen. Es ist ein Riesenspaß hinter
dem Ball herzurennen und ihn zu überholen. Wenn ich ihn
zurückbringe, krieg’ ich mein Futter. Leider hören meine
Menschen mit diesem Spiel auch zu früh auf, ich könnte noch mehr
fressen.
Jetzt ist es draußen dunkel. Auf der Terrasse steht jetzt so ein
pieksiger Baum mit kleinen Lichtern, aber ich darf daran kein
Pipi machen. Seitdem ich groß bin, darf ich überhaupt im ganzen
Garten kein Pipi machen, obwohl es da so schöne Stellen gibt, wo
ich eine Markierung aus Sicherheitsgründen doch für sehr
notwendig halte.
Der Tag ist für mich gelaufen. Ich habe den Wanst voll und muss
verdauen. Ich wühle mich in meine Kissenkuhle, räkle mich auf
dem Rücken, entlaste mal meine Pfoten und lüfte den Bauch. Jetzt
müsste nur noch jemand vorbeikommen und mir den Bauch kraulen.
Wenn ich müde bin, brauch’ ich besonders viel Zuwendung. Am
liebsten wär’ ich ja auch auf der Couch bei meinen Menschen. Als
ich klein war, durfte ich sogar auf den Schoß. Ich geh’ mal hin,
lege die Schnauze auf ein Knie und guck’ lieb. Jetzt werde ich
am Kopf gekrault. Schon nicht schlecht. Ich steige mit den
Vorderbeinen auf den Schoß und lass mich fallen. Ich werde
weiter gestreichelt. Jetzt am Rücken. Ich verhalte mich ganz
still, damit sie nicht merken, dass ich überhaupt da bin. In
einer einzigen unauffälligen Bewegung steige ich dann erst mit
dem einen Hinterbein dann mit dem anderen auf die Couch. Mist!
Sie haben mich doch bemerkt. Ich muss runter. Ich versuch’ es
später noch mal. Jetzt liege ich vor der Couch, spiele mit ihren
Pfoten und werde am Bauch gekrault. Auch nicht schlecht! So
langsam dussel’ ich weg.
Schlüsselgeklapper weckt mich! Herrchen wartet. Zeit für den
letzten Kontrollgang meiner Abendstrecke. Abends gehen wir
nämlich einen anderen Weg. Herrchen möchte das so. Er ist eben
auch ein Gewohnheitstier.
Wir gehen an der Pferdekoppel vorbei. Im dunklen sind die Pferde
noch größer als im hellen und richtig anfreunden kann ich mich
mit denen nicht. Besonders das eine galoppiert immer zum Zaun
wenn ich komme und will mich beriechen. Ich mag das nicht!
Pauline ist mit Frauchen auch unterwegs und wir begrüßen uns.
Mich zieht’s in meine Kissenkuhle und ich mag nicht mehr
spielen.
Die Quatschkiste macht noch ein Weilchen Lärm, aber nach und
nach verschwinden meine Menschen in ihre Kissenkuhlen und es
wird still.
Gute
Nacht! Euer Frodo |